
Der flächendeckende Fach- und Arbeitskräftemangel stellt den stationären Einzelhandel vor anhaltende Herausforderungen. Wie der Handelsverband Deutschland (HDE) und das EHI Retail Institute übereinstimmend betonen, leiden besonders beratungs- und präsenzintensive Flächen stark unter Personalengpässen. Für Kaufhausbetreiber, Retail-Marketingleiter und Filialleiter bedeutet dies in der Praxis: Klassische Empfangs-, Wegeleitungs- und Promotionsaufgaben an Haupteingängen oder auf Aktionsflächen sind zunehmend schwer planbar zu besetzen.
In diesem Kontext rücken mobile Servicelösungen verstärkt in den Fokus. Dieser Leitfaden evaluiert, inwiefern der OrionStar GreetingBot AD als Werberoboter im Umfeld großflächiger Kaufhäuser eingesetzt werden kann, um personelle Engpässe abzufedern, die Markenkommunikation am Point of Sale (POS) zu stabilisieren und Kundenströme gezielt zu lenken.
Kaufhäuser zeichnen sich durch ein dynamisches Flächenmanagement aus. Zu den typischen Hürden im täglichen Betrieb gehören:
Der OrionStar GreetingBot AD (Large-Screen Edition) kombiniert die Funktionen eines humanoiden Empfangsassistenten mit denen einer mobilen Digital-Signage-Stele. Durch diese Zusammenführung adressiert das System spezifische Anforderungen auf der Verkaufsfläche.
Das Kernmerkmal dieses Modells ist die Aufteilung der visuellen Kommunikation: Auf Kopfhöhe befindet sich ein 14-Zoll-FHD-Touchscreen (1080P), der für die direkte Interaktion mit der Kundschaft – etwa die Auswahl von Abteilungen oder die Suche nach Marken – ausgelegt ist. Ergänzt wird dies durch ein 21,5-Zoll-FHD-Display auf Brusthöhe. Dieses dient als digitale Werbefläche für aktuelle Menüs der Kaufhausgastronomie, Event-Pläne, Marken-Content oder Sonderangebote. Als mobiler Promotionsroboter kann das System so beispielsweise an Rolltreppenpodesten platziert werden, um Laufkundschaft visuell auf die Angebote der nächsthöheren Etage aufmerksam zu machen.
Kaufhäuser erfordern eine präzise Orientierung. Der Roboter nutzt eine Kombination aus LiDAR, Rad-Odometrie, IMU und Kamerasensoren. Laut Herstellerangaben ermöglicht dies eine Kartierung von Flächen mit bis zu 50.000 m² sowie eine zentimetergenaue Positionierung. Das System kann sich an Haupteingängen positionieren und Kundinnen und Kunden bei Bedarf aktiv zu einer bestimmten Markenfläche führen. Mit einer einstellbaren Geschwindigkeit von 0,5 bis 1,2 m/s passt er sich dem typischen Schritttempo im Einzelhandel an. Bodenschwellen bis zu 10 mm und Fugen bis 20 mm können überfahren werden, was für den Wechsel zwischen Fliesen, Marmor und niederflorigen Teppichen in Kosmetik-Etagen relevant ist.
Die akustische Umgebung in Kaufhäusern ist oft herausfordernd. Der GreetingBot AD ist mit einem 6-Mikrofon-Array ausgestattet, das laut Spezifikation eine 360-Grad-Schallquellenlokalisierung bietet. Ein dedizierter Motor erlaubt es dem Roboterkopf, sich in einem Winkel von -15° bis +40° zu neigen, um bei der Interaktion einen natürlichen "Blickkontakt" aufzubauen. Für die visuelle Erfassung stehen eine 2-MP-Weitwinkelkamera (162° Diagonale) sowie eine 13-MP-HD-Kamera zur Verfügung.
Ein wirtschaftlicher Betrieb auf der Verkaufsfläche setzt voraus, dass das System unter optimalen Betriebsbedingungen den Großteil einer Schicht ohne manuelles Eingreifen absolvieren kann. Um den erhöhten Energiebedarf des zusätzlichen 21,5-Zoll-Bildschirms zu decken, verfügt der GreetingBot AD in der typischen Konfiguration über einen auf 20 Ah (529,2 Wh) vergrößerten Lithium-Ternär-Akku. Abhängig von der Bildschirmnutzung und Navigation erreicht das System unter definierten Testbedingungen eine Betriebszeit von etwa 8 bis 10 Stunden. Eine vollständige Aufladung über die mitgelieferte 8-Ampere-Ladestation dauert im eingeschalteten Zustand rund 6 Stunden; der Roboter sucht die Station bei niedrigem Akkustand via LiDAR-Ausrichtung selbstständig auf.
Für das Flottenmanagement und die Ausspielung digitaler Inhalte sind standardmäßig Wi-Fi 6 (2,4 / 5 GHz) sowie ein 4G-Modul (TDD-LTE / FDD-LTE) integriert. Dies deckt sich mit den Erwartungen von Filialbetreibern, Werbeinhalte zentral steuern (OTA) und anpassen zu können, ohne physisch am Gerät intervenieren zu müssen.
Für Kaufhäuser, die unterschiedliche Flächenkonzepte verfolgen, ist zudem relevant, dass die OrionStar GreetingBot Serie verschiedene Modelle umfasst. Je nach räumlichen Gegebenheiten oder spezifischem Anwendungszweck können Betreiber auf Varianten mit oder ohne großem Zusatzdisplay zurückgreifen.
Der Einsatz eines kamerabasierten Werberoboters im öffentlich zugänglichen Einzelhandel berührt unmittelbar sensible datenschutzrechtliche Fragestellungen. Der GreetingBot AD verarbeitet über seine Kameras, Mikrofone und LiDAR-Sensoren kontinuierlich Umgebungsdaten.
Kaufhausbetreiber und Retail-Marketingleiter müssen vor der Inbetriebnahme zwingend die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie lokaler Vorschriften prüfen. Wie der Branchenverband Bitkom in seinen Praxisleitfäden zu KI und Robotik betont, ist beim Einsatz solcher Systeme in der Regel eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach Art. 35 DSGVO erforderlich. Die Datenschutzkonferenz (DSK) führt auf ihrer "Muss-Liste" explizit den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Bewertung persönlicher Aspekte oder zur Interaktion mit Betroffenen auf. Eine DSFA dauert in der Praxis typischerweise drei bis sechs Monate (Bitkom, Juni 2025).
Folgende Aspekte sind durch den Betreiber zwingend technisch und organisatorisch zu regeln:
Nein, dieses spezifische Modell ist rein auf digitale Informationsvermittlung und Wegeleitung ausgelegt. Zwar ist das Gerät mit Roboterarmen ausgestattet, diese sind jedoch in der Large-Screen Edition ab Werk softwareseitig deaktiviert. Der Grund hierfür ist, dass sich die Armmechanik und das große 21,5-Zoll-Brustdisplay physisch in die Quere kommen könnten.
Das Fahrwerk (zwei 5,5-Zoll-Antriebsräder und vier 2-Zoll-Lenkrollen) ist für typische harte und ebene Innenraumböden konzipiert. Dazu zählen Holz, glatter Zement, Marmor sowie niederflorige, harte Teppichböden.
Das System unterstützt eine ESP32-basierte Multi-Roboter-Disposition. Dadurch können mehrere Einheiten auf derselben Etage oder in demselben Kaufhaus betrieben werden, ohne dass sie sich bei der Wegeleitung gegenseitig blockieren oder an den Rolltreppenpodesten stauen.
Grundsätzlich verfügt das System über eine reservierte Schnittstelle für ein optionales Aufzugssteuerungsmodul. Um diese Funktion zu nutzen, muss jedoch eine technische Integration in die bestehende Aufzugsanlage des Kaufhauses erfolgen.
Die Investition in Servicerobotik ist eine direkte Antwort auf aktuelle Marktentwicklungen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) wies in seinem Statement zum Tag der Arbeit 2024 explizit darauf hin, dass der Einzelhandel stark unter den Folgen des Arbeits- und Fachkräftemangels leide. Dies betrifft laut Branchenbeobachtern insbesondere beratungs- und präsenzintensive Flächen wie Kaufhäuser (einzelhandel.de, 01.05.2024). Das EHI Retail Institute bestätigt diesen Trend: Auf der KI & Robotics4Retail-Konferenz 2022 wurde Robotik am POS als zentrale Strategie diskutiert (ehi.org, 09.09.2022).
Mehrere dokumentierte Projekte aus der Robotics4Retail-Initiative belegen die Praxistauglichkeit in europäischen Handelsflächen:
Aus diesen Praxisfällen geht hervor, dass Filialbetreiber klare Erwartungen an die Digitalisierung haben. Dazu gehören OTA-Updates für ein zentrales Content-Management sowie datengestützte Werbeerfolgskontrollen, um Kundenwege im Einzelhandel besser zu analysieren. Gleichzeitig zeigt das von der Gesellschaft für Informatik publizierte Lehr-Szenario "Gustav" (gewissensbits.gi.de, 13.04.2021), dass die soziale Akzeptanz und der korrekte Umgang mit Kamera- und LiDAR-Daten bei Werberobotern am POS entscheidend für den langfristigen Erfolg im Kaufhaus sind.