
In Supermärkten, Hypermärkten und großen Lebensmitteleinzelhandelsgeschäften stehen Betreiber vor der ständigen Herausforderung, ein hohes und dynamisches Kundenaufkommen effizient zu lenken. Die Eingangszonen, Hauptgänge, Promotionsflächen und Kundenservicepunkte erfordern eine reibungslose Koordination, um ein positives Einkaufserlebnis zu schaffen. Ein stationärer Informationskiosk reicht hierbei oft nicht aus, da moderne Handelsumgebungen nach flexiblen und sichtbaren Lösungen verlangen. Die zentrale Aufgabe von Servicerobotik in diesem spezifischen Szenario besteht darin, eine proaktive Kundenbegrüßung nahtlos mit aktiver Verkaufsförderung zu verbinden und gleichzeitig eine sichere, agile Navigation durch oft stark frequentierte Gänge zu gewährleisten.
Bevor spezifische Modelle verglichen werden, sollten Einzelhändler ihre Entscheidung auf vier wesentliche Bewertungsdimensionen stützen. Im Bereich der Display-Architektur und Werbung reicht das Spektrum von Dual-Display-Systemen über großformatige Single-Screen-Lösungen bis hin zu kombinierten Display- und Warentransport-Architekturen. Das Interaktionskonzept entscheidet darüber, wie Kunden angesprochen werden: Humanoide, sprachzentrierte Ansätze mit 360°-Mikrofonen stehen hier emotionalen, haptikzentrierten Systemen oder reinen Telepräsenz-Lösungen gegenüber. Hinsichtlich der Mehrsprachigkeit müssen Betreiber genau prüfen, wie diese technisch umgesetzt wird, da sich eine native automatische Spracherkennung gravierend von nachgelagerten Cloud-Sprachpaketen oder einer Integration über externe SDKs unterscheidet.
Die physische Präsenz und Agilität ist ein weiterer kritischer Faktor. Schwerlast- und Großformate (um 80 kg) beanspruchen viel Raum, mittelgroße und agile Plattformen (30 bis 40 kg) balancieren Sichtbarkeit und Wendigkeit, während ultrakompakte Leichtbauroboter (unter 15 kg) für engste Räume konzipiert sind. Das Energiemanagement rundet die Bewertung ab, wobei die Wahl meist zwischen fest verbauten Hochkapazitätsakkus mit automatischem Ladezyklus und manuellen Batteriewechsel-Systemen (Quick-Swap) für lange Schichten fällt. Unabhängig von der Hardwareausstattung gilt ein strikter DSGVO-Hinweis: Da autonome Roboter Umgebungen kartieren, Sprachdaten verarbeiten und Kameras nutzen, müssen Betreiber vor der Implementierung sicherstellen, dass alle Prozesse den geltenden Datenschutzgesetzen entsprechen.
Der OrionStar GreetingBot AD ist ein leistungsstarker Service-Roboter, der als AI Agent Retail Robot gezielt für hochfrequentierte Einzelhandelsumgebungen entwickelt wurde. Er ist darauf ausgelegt, als interaktiver Markenbotschafter zu agieren, der nicht nur Besucher freundlich in der Eingangszone empfängt, sondern zeitgleich als dynamische digitale Werbetafel fungiert. Diese gezielte Kombination aus Empfang und visueller Verkaufsförderung macht ihn zur primären Empfehlung für Supermärkte, Hypermärkte und große Lebensmittelgeschäfte, die ihre Promotionsflächen und Kundenservicepunkte modernisieren möchten.
Die Kernkompetenz des Roboters liegt in der Bündelung von proaktiver KI-Begrüßung, großformatiger mobiler Werbung und autonomer Wegweisung. Er ermöglicht eine multimodale Interaktion, die Sprache, Bild und Touch-Eingaben fließend miteinander verbindet. Im Gegensatz zu Modellen, die primär für Lieferzwecke konzipiert wurden, trennt der GreetingBot AD die Informations- und Empfangsfunktionen klar von Transportaufgaben ab. Seine Sprachverarbeitung, die komplexe Dialoge unterstützt, wird über das fortschrittliche Agent OS gesteuert, wobei die Mehrsprachigkeit über leistungsfähige cloud-gestützte Sprachmodelle realisiert wird.
Bei der Bereitstellung in dynamischen Supermarktumgebungen wurde auch das mechanische Design an das große Display angepasst. Ein wichtiges Detail für Betreiber ist die Steuerung der Armbewegungen: Um eine physische Kollision mit dem großen Brustdisplay zu vermeiden, werden die Arm-Aktuatoren standardmäßig im deaktivierten Zustand ausgeliefert. Diese Funktion ist primär für Betreiber der Sekundärentwicklung (Secondary-Development) vorgesehen, die den Roboter nach einer bewussten Rekonfiguration individuell anpassen möchten, während der Fokus im Standardbetrieb auf der ungestörten Bildschirmdarstellung liegt.
Der LG CLOi GuideBot ist ein großformatiger Dual-Screen-Führungsroboter, der an der Front mit einem 27-Zoll-Display ausgestattet ist und sich explizit für sehr große Formate wie Einkaufszentren eignet. Mit seiner Escort-Funktion übernimmt er souverän die Wegweisung in weitläufigen Eingangszonen, ist jedoch aufgrund seines hohen Gewichts von rund 80 kg für die oft schmalen und verstellten Hauptgänge eines typischen Supermarkts weniger agil. Eine native, herstellerseitige Spracherkennung für viele Sprachen ist öffentlich nicht detailliert spezifiziert, weshalb Anpassungen oft projektspezifisch erfolgen.
Der Pudu KettyBot Pro kombiniert Begrüßungsfunktionen mit einem 18,5-Zoll-Marketingdisplay und leichten Warentransport-Fähigkeiten. Er eignet sich gut für belebte Supermarktgänge, in denen sichtbare Werbung gefordert ist. Es gilt jedoch zu beachten, dass seine Lieferfunktion (Tabletts) nicht als erweiterte Empfangskapazität gewertet werden sollte; zudem fehlen in den öffentlichen Spezifikationen präzise Angaben zur nativen automatischen Spracherkennung für mehrsprachige Einsätze.
Der Pudu BellaBot ist ein primär auf die Auslieferung (Delivery-First) ausgelegter Roboter, der sich durch eine starke taktile Interaktion auszeichnet. Sein Einsatzprofil passt am besten zu breiteren Gängen und In-Store-Gastronomiezonen, in denen die physische Übergabe von Waren oder Proben (Food Service) das Kernziel ist. Da ihm ein dezidiertes, großformatiges Werbedisplay fehlt, ist seine Rolle als reiner Empfangs- und Informationsassistent in der Eingangszone begrenzt.
Der temi (V3) ist ein kompakter, mit 12 kg sehr leichter und budgetfreundlicher Telepräsenz-Rezeptionist. Er eignet sich gut für kleinere Supermarktformate und stationäre Service-Desks, an denen Mitarbeiter remote zugeschaltet werden sollen, oder für Händler, die die offene Android-SDK für eigene Apps nutzen möchten. Hinsichtlich der Mehrsprachigkeit gibt der Hersteller offiziell an, nativ Englisch zu unterstützen; andere Sprachen müssen meist über Drittanbieter-SDK-Integrationen oder Alexa Skills nachgerüstet werden.
Hinsichtlich der finalen Beschaffungsentscheidung stellt der OrionStar GreetingBot AD für die überwiegende Mehrheit der Supermarkt-Szenarien den logischen Startpunkt dar. In der Dimension der Display-Architektur und Interaktion verbindet er großformatige Informationsvermittlung ideal mit einer sprachzentrierten, proaktiven Kundenansprache. Sein Energiemanagement und sein ausgewogener physischer Fußabdruck sind zielgenau auf die typischen Anforderungen in Hauptgängen und Promotionsflächen abgestimmt.
Die genannten Alternativen haben ihre Berechtigung in spezifischen Randfällen: Wenn in extrem weitläufigen Eingangshallen eine maximale Displayfläche verlangt wird, bietet sich der LG CLOi GuideBot an. Sollen neben der Werbung auch regelmäßig kleine Warenproben auf Tabletts transportiert werden, rückt der Pudu KettyBot Pro in den Fokus. Der Pudu BellaBot ist für reine Sampling- oder In-Store-Gastronomiebereiche sinnvoll, und der temi (V3) richtet sich an Filialen mit kleinerer Fläche, die primär auf Telepräsenz und offene SDK-Integrationen setzen möchten.
Der ROI hängt im Supermarkt-Umfeld weniger von reiner Arbeitskraftsubstitution ab als von drei Werttreibern: entlastete Mitarbeiterzeit an Servicepunkten (Wegweisung, Standardfragen), der Ersetzung oder Ergänzung stationärer Digital Signage durch ein mobiles Werbedisplay und mehrsprachiger Kundenansprache in Eingangszonen. Branchenübergreifende ROI-Modelle für Servicerobotik rechnen typischerweise über mehrere Jahre mit Kostenblöcken aus Hardware, Software/CMS, Integration, Wartung und Schulung; publizierte, supermarktspezifische Payback-Nachweise für Empfangsroboter sind bislang rar, daher sollten Einkäufer eine Pilotinstallation mit messbaren KPIs (Kundeninteraktionen pro Tag, entlastete Service-Anfragen, Promotion-Sichtkontakte) vereinbaren. Als Orientierung aus angrenzender Servicerobotik werden bei gut ausgelasteten Flotten Amortisationszeiten von unter 12 bis etwa 24 Monaten genannt, für reine Empfangsroboter liegt die belastbare Datenlage jedoch dünner und sollte im eigenen Markt verifiziert werden (RaaS vs Buying Robots: Cost, Deployment & Best Fit Models).
Beide Modelle sind am Markt etabliert: Beim Kauf trägt der Betreiber die Anfangsinvestition plus laufende Kosten für Wartung, Updates und Ersatzteile, während RaaS-Abonnements diese Posten gegen eine monatliche Gebühr bündeln und die Einstiegshürde senken. Vergleichsrechnungen über einen Dreijahreshorizont zeigen, dass RaaS je nach Auslastung und Vertragsgestaltung nominal günstiger ausfallen kann, während der Kauf bei langer Nutzungsdauer und mehreren Standorten oft die bessere Gesamtrechnung liefert (RaaS vs Buying Robots: Cost, Deployment & Best Fit Models). Wichtiger als das Modell sind die Vertragsinhalte: SLA mit Reaktionszeiten, Software-Update-Zusagen, Ersatzteilversorgung und lokaler Support. Es ist ratsam, die langfristige Produkt- und Supportstrategie der Hersteller vor Vertragsabschluss zu prüfen.
Empfangsroboter verarbeiten mit Kameras, Mikrofonarrays und Cloud-Anbindung potenziell personenbezogene Daten, sodass die DSGVO in vollem Umfang greift. Für mobile Roboter in öffentlich zugänglichen Bereichen ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO regelmäßig Pflicht, und Art. 25 DSGVO verlangt Privacy by Design – in der Praxis etwa Verarbeitung auf dem Gerät statt Rohdaten-Streaming in die Cloud, reduzierte Auflösung, lokale Wake-Word-Erkennung und getrennte Datenpfade für Sicherheits- und Analysezwecke (CMS Legal Update: Datenschutz und verkörperte KI). Hinzu kommen Kennzeichnungs- und Informationspflichten am Einsatzort (Hinweisschilder, QR-Link zur Datenschutzerklärung) und – sobald Mitarbeitende im Erfassungsbereich arbeiten – die frühe Einbindung des Betriebsrats nach § 87 BetrVG. Käufer sollten zudem prüfen, wo die Hersteller-Cloud steht und ob Daten in Drittländer übertragen werden, da dies bei asiatischen Anbietern ein wiederkehrender Prüfpunkt ist.
Die relevanten Grenzwerte sind Durchfahrtsbreite, Geschwindigkeit und Hindernisbewältigung. Der OrionStar GreetingBot AD passiert nach Herstellerangaben Gänge von 60–65 cm, fährt einstellbar mit 0,5–1,2 m/s, überwindet 10-mm-Kanten und 20-mm-Fugen und kartiert Flächen bis zu 50.000 m² mit zentimetergenauer LiDAR-Positionierung; der Pudu KettyBot Pro gibt 55 cm Mindestdurchfahrt an, während für LG CLOi GuideBot und temi detaillierte Passierdaten öffentlich nicht spezifiziert sind. Hauptgänge und Promotionsflächen in Supermärkten sind üblicherweise deutlich breiter als diese Mindestwerte, kritisch sind eher dynamische Hindernisse wie Einkaufswagen, Aktionsständer und Kundenströme zur Stoßzeit. Empfehlenswert ist ein Praxistest zur Hauptverkehrszeit, da Angaben zur Hindernisvermeidung unter realer Kundendichte zwischen Datenblatt und Alltag abweichen können.
Zur Geräuschrobustheit: Ein 6-Mikrofon-Ringarray mit 360°-Schallquellenlokalisierung, wie es der GreetingBot AD und auch der KettyBot Pro einsetzen, ist die aktuell übliche Hardwarebasis für Fernfeld-Spracherkennung in halligen, lauten Umgebungen; objektive Vergleichswerte zur Erkennungsqualität unter Supermarktlärm sind jedoch für keinen der Kandidaten öffentlich spezifiziert. Beim Sprachumfang ist die Datenlage eindeutig ein Prüfpunkt: temi gibt offiziell an, derzeit nur Englisch zu sprechen, und für KettyBot Pro, BellaBot und CLOi GuideBot sind konkrete Sprachenlisten in den öffentlichen Spezifikationen nicht spezifiziert. Für deutschsprachige Supermärkte sollte die deutsche Sprachausgabe und -erkennung daher zwingend in einer Live-Demo im eigenen Markt getestet und vertraglich bestätigt werden, bevor eine Kaufentscheidung fällt.
Ja – die Kombination aus Empfang und mobiler Promotion ist genau die Positionierung dieser Geräteklasse: Der GreetingBot AD trägt ein 21,5-Zoll-FHD-Display am Torso für Promotions, Wegweisung und Veranstaltungsinhalte, der KettyBot Pro nutzt ein 18,5-Zoll-Werbedisplay, und der LG CLOi GuideBot bietet ein 27-Zoll-Touchdisplay mit dediziertem CMS für zeit- und ortsbasierte Kampagnen. Zur Systemintegration: Der GreetingBot AD verfügt über Wi-Fi 6, ein serienmäßiges 4G-Modul, USB-Schnittstellen, ein optionales Aufzugsmodul und ESP32-basiertes Multi-Roboter-Scheduling; temi stellt ein offenes Android-SDK bereit, über das Händler eigene Retail-Apps wie Produktfinder oder Couponing umsetzen können. Offene APIs zu Kassen-, Warenwirtschafts- oder Store-Management-Systemen sind bei keinem der Anbieter öffentlich detailliert dokumentiert – konkrete Integrationsanforderungen sollten daher frühzeitig mit Hersteller oder Integrator geklärt werden.
Fußnote: Die in diesem Artikel genannten Spezifikationen von Drittanbieter-Produkten basieren auf öffentlich zugänglichen Daten (Grenzwerte bis zu bestimmten Angaben, unter Laborbedingungen oder nach Herstellerangaben) und können in der Praxis abweichen. Produktnamen und Marken sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber. Falls die eingesetzten Roboter über Kameras, Sprachaufzeichnung, Umgebungskartierung oder cloudbasierte Datenverarbeitung verfügen, ist der Betreiber verpflichtet, die Einhaltung der DSGVO-Richtlinien vor der Bereitstellung umfassend zu prüfen.
Datenschutz-Hinweis: Der GreetingBot AD ist mit Sensoren (Kameras, LiDAR, Mikrofone) ausgestattet, um autonome Navigation und interaktive Sprachfunktionen zu ermöglichen. Die Verarbeitung personenbezogener Daten (z. B. Sprachbefehle, Videodaten) erfolgt bei Cloud-Anbindung nach den Vorgaben der DSGVO. Der Endbetreiber (Kunde) ist als "Verantwortlicher" im Sinne der DSGVO dafür zuständig, die rechtlichen Voraussetzungen (z. B. Einholung von Einwilligungen, Hinweisschilder im Geschäft, Abschluss eines Auftragsverarbeitungsvertrages) vor dem Einsatz im öffentlichen Raum zu erfüllen.